Howtos


»Mit Hängen und Würgen«
Todesfälle in Anwesenheit eines Partners


Atemkontrollspiele mit Partner sind erheblich weniger riskant als Solospiele. Auch hier haben aber einige Fälle Eingang in die Forschungsliteratur gefunden. Man kann davon ausgehen, daß die Vertuschungsgefahr bei diesen Fällen größer ist als bei autoerotischen Unfällen, so daß es auch hier eine schwer einzuschätzende Dunkelziffer gibt.

Der Fall Kotzwarra


Maxeiner 1987

"Ein 44jähriger, bis zum Vorfall organisch gesunder Mann, wird mit der Feuerwehr aus einem "Etablissement" soporös aber spontan atmend in die Klinik eingeliefert. [...] Der weitere klinische Verlauf (Intensivstation) bis zum Tode des Patienten drei Wochen später zeigt bei wechselnder Vigilanz einen im wesentlichen unveränderten Zustand [...]
Es ergab sich, daß sich der Mann bereits einen Tag vor der Krankenhauseinlieferung zur Vornahme sadomasochistischer Handlungen in aufrechter Position vollständig an ein Kreuz fesseln ließ, um den Hals ein an dem Kreuz fixiertes Lederband in 2 lockeren Windungen, aber fest geschlossen. Die Beschuldigte ließ ihn dann etwa eine halbe Stunde allein und will ihn nach der Rückkehr schlafend mit vornübergeneigtem Kopf vorgefunden haben (Hervorhebung von mir, K.P.). Nach einiger Zeit nahm sie ihn ab (wobei er einnäßte) und legte ihn teilgefesselt (da er um sich schlug) auf den Boden, bis zum nächsten Morgen, dann ungefesselt in ein Bett (er war inzwischen apathisch); erst am Abend wurde die Feuerwehr alarmiert. Zur Erklärung dieses Ablaufes äußerte die Frau, sie habe den Mann seinen vermuteten Rausch ausschlafen lassen und nicht kompromittieren wollen; erst allmählich habe sie mitbekommen, daß etwas nicht stimme.
Aufgrund der Einwilligung des Verstorbenen in die an ihm vorgenommenen Maßnahmen wurde das Ermittlungsverfahren nicht wegen Körperverletzung mit Todesfolge, sondern wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet; bei der nachfolgenden Begutachtung spielte angesichts der um fast einen Tag verspäteten Zuführung ärztlicher Hilfe auch die Frage eine Rolle, ob bei unmittelbarer stationärer Behandlung der Verlauf ein anderer gewesen wäre. Dies war aber als unwahrscheinlich anzunehmen, da die strangulationsbedingte Hirnschädigung zum Zeitpunkt der Abnahme der Halsfesselung bereits ganz offensichtlich eingetreten und damit irreversibel war.
Das Verfahren ist inzwischen ohne Hauptverhandlung eingestellt worden." (Max87)

Hier kann man nicht nur sehen, daß man gefesselte Personen niemals allein lassen sollte und daß Sauerstoffmangel im Gehirn auch mit einer gewissen Verspätung zum Tode führen kann, sondern auch, daß unser Rechtssystem BDSM-Praktiken recht ratlos gegenübersteht. Der Verstorbene hatte ganz sicher nicht darin eingewilligt, auf grob fahrlässige Weise ums Leben gebracht zu werden. Auch Besucher von "Etablissements" haben ein Recht auf die Einhaltung der grundlegendsten Sicherheitsstandards.


Schwab 1975

"Vom Todestag berichtete die Zeugin: 'Er holte sich das Hundehalsband, legte es sich um den Hals. Zugleich hatte er auch Riemen geholt und mich gebeten, ihn zu fesseln. Wie üblich hatte Herr X. sich das Halsband um seinen Hals gelegt und es dann an den Haken des Flaschenzuges gehängt. Vorher schon hatte er den Flaschenzug auf die richtige Höhe eingestellt, d.h. so, daß er bei den gespannten Seilen des Flaschenzuges aufrecht darunter stehen konnte. Er hatte dies mit einem Knoten in dem Seil des Flaschenzuges bewerkstelligt, den Knoten bezeichnete er mir gegenüber als Schifferknoten. (...) Nach etwa 2-3 Minuten bemerkte ich, daß er plötzlich mit einer ruckartigen Bewegung mit dem Kopf nach vorne sank und daß er ein krächzendes Geräusch von sich gab. Ich fragte ihn, was los sei, erhielt aber keine Antwort. Ich versuchte, ihn aus seiner Lage zu befreien und den Flaschenzug herunterzulassen. Dieses gelang mir aber nicht, denn der schon erwähnte Schifferknoten verhinderte ein Herablassen des Flaschenzuges [Hervorhebung K.P.].' (...)
Offenbar durch einen Schwächeanfall oder eine plötzlich eingetretene Bewußtseinstrübung vermochte er sich nicht mehr aus der Schlinge zu befreien. Auch seine Partnerin konnte den schweren Mann nicht aus seiner Erhängung lösen. Ein Verschulden konnte nicht nachgewiesen werden." (Sch75)

Zitat Ol Sarge: Vergewissere dich, daß ein Segment des Seils zum Durchtrennen in Reichweite ist und du ein scharfes Messer bei dir hast. Zusätzlich ist eine Schnelllösevorrichtung wie ein Panikhaken empfehlenswert. Das Leben deines Partners (und in der Folge auch dein Leben in Freiheit) stehen auf dem Spiel. Vergewissere dich, daß keine Knoten im Seil sind, die durch Flaschenzüge oder Ösen laufen müssen, wenn das Seil gelöst wird, sie können und werden sich vermutlich genau im falschen Moment verklemmen.


Schumann, Rauch und Priemer 1997

"Das Paar wurde auf einem Bett aufgefunden, wobei die Frau (22 Jahre) in Rückenlage mit dem Kopf ihrem Partner (23 Jahre) am linken Unterschenkel auflag. Dieser saß mit angewinkeltem rechten Oberschenkel in aufrechter Haltung. In dieser Position wurde er durch straffen Seilzug gehalten, wobei das Strangwerkzeug mit durchlaufender Schlinge von der Nackenmitte zum senkrecht darüber befindlichen Dachfenster verlief. Von dort zog es abwärts zu den unter dem rechten Oberschenkel aneinander gefesselten Handgelenken des Mannes. Um den Hals einer Frau war mit einfachem Schlag ein Halstuch geknotet. Neben dem Bett befand sich eine schwarze Kunstledertasche mit Fesselwerkzeug, Ketten, Riemen, Manschetten, Schnüren und dergleichen sowie mehrere zerschnittene und verknotete Halstücher und Seile. (...)
In der oben beschriebenen Position war es dem Mann zwar möglich, das um den Hals der Partnerin mit einfachem Schlag geknotete Halstuch in sich zu drehen und somit einen Sauerstoffmangel zu verursachen; doch konnte er sich selbst aus seiner Fesselung nicht mehr befreien und starb durch Erhängen. Bei der Frau ist ein Tod durch Erdrosseln bzw. ein Reflextod zu diskutieren." (SRP97)


Schweizerisches Bundesgericht Entscheid BGE 114 IV 100

"Am frühen Morgen des 19. September 1985 hielten sich Frau X. und Frau Y. bei dem stark alkoholisierten Z. in dessen Wohnung in Herrliberg auf, wobei es zu Sexspielen kam. Z. setzte sich nackt auf das Doppelbett im Schlafzimmer und liess sich von Frau X. die Hände auf dem Rücken zusammenbinden. Die Handschellen wurden durch einen Stahlstab mit einer die beiden Unterschenkel umfassenden Lederschlaufe verbunden. Frau X. legte ein Nylon-Bergseil von 3,45 m Länge und einem Durchmesser von 11 mm um den Hals des Z. und verschnürte es hinten am Hals mit einem einfachen Knoten. Daraufhin legte sich Z. auf den Bauch, während sich die beiden Frauen auf der linken und rechten Seite des Bettes aufstellten. Sie ergriffen je ein Seilende und strafften dieses. Ihre Hände befanden sich mindestens einen halben Meter höher als der Kopf des Z. Das Seil wurde weiter gestrafft, wodurch der Kopf ca. 50 cm in die Höhe gezogen wurde. Dieses Anheben des Kopfes und das nachfolgende Absenken wiederholten Frau X. und Frau Y. im Rhythmus von je ca. 3 Sekunden mindestens dreimal. Plötzlich fiel der Kopf des Z. nach vorne und dieser gab nach kurzem Röcheln kein Lebenszeichen mehr von sich. Das Vorgehen an diesem Morgen unterschied sich insofern von dem früher jeweils praktizierten, als Z. erstmals auf dem Bauch lag und somit das Gewicht seines kräftig gebauten Oberkörpers im vorderen Halsbereich hing, in welchem sich die Gefässstränge befinden, die bei starker Drosselung einen Sauerstoffmangel bewirken. Nach den Feststellungen der Experten ist Z. infolge der mehrmaligen Strangulation (Drosselung) im Halsbereich erstickt, wobei der Vorgang durch einen vorzeitig eingetretenen reflektorischen Herzstillstand beschleunigt worden sein dürfte. Die Alkoholisierung hat dabei die Reflexbereitschaft erhöhen und einen vorzeitigen Herzstillstand begünstigen können. Die I. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich sprach Frau X. am 18. Mai 1987 der fahrlässigen Tötung i.S. von Art. 117 StGB schuldig [...] Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass es im Hinblick auf eine mögliche Todesfolge generell unvorsichtig ist, einen Menschen am Hals zu würgen."

 

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