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Der Papiertiger: Safeword

 
   
   
   
   
   
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Der Papiertiger ist eine Enzyklopädie des Sadomasochismus, zusammengestellt von Datenschlag. Hier versuchen wir, möglichst umfassend, Begriffe aus dem SM-Bereich zu erklären.



Codewort, mit dem ein Spieler (meist der Bottom) in Notfällen ein Spiel sofort beenden kann. Obwohl es vermutlich unabhängig von vielen Personen und Gruppen entdeckt worden ist, ging seine Verbreitung als formuliertes Prinzip erst Anfang der 1990 von den USA aus. Im Leatherman's Handbook, The1 von 1977 taucht es noch nicht auf. Zwar vermutet schon Andreas Spengler 1979 in2:

Wir müssen annehmen, daß innerhalb der sadomasochistischen Szene eine bestimmte situative Kontrolle darüber erfolgt, ob die Praktik (...) über das verabredete Maß hinausgeht.

Der Gedanke geriet in der Wissenschaft allerdings in Vergessenheit und taucht erst wieder 1993 in Szenen und Rituale3 auf. In "Sexualmedizin im Grundriss"4 wird es nicht erwähnt (siehe auch Stand der Forschung).

Die ausführlichsten Kriterien für ein gutes Safeword wurden in S/M-Szene Intern im Dezember 1992 dargelegt:

Das Codewort darf unter phonetischen Gesichtspunkten betrachtet kein o und auch kein u enthalten, da diese zu dumpfen Laute bei Hintergrundmusik nicht verständlich sind. Ein i darf auch nicht vorkommen, denn es kann mit belegter Stimme nicht artikuliert werden.

Auch wenn das für die meisten Fälle in der Praxis etwas übertrieben scheint, zeigt es die sorgfältigen Überlegungen, die zu der Wahl von Mayday als generisches Safeword für die Subkultur in Deutschland geführt haben - also ein Safeword, das jedem Sadomasochisten bekannt sein sollte, unabhängig davon, ob er es selbst benutzt.

Was genau mit einem Safeword gemeint ist, wird unter Sadomasochisten selbst etwas ungenau behandelt, besonders was die Abgrenzung zum Slowword und anderen Codes angeht. Dies zeigt sich schon an der etwas unglücklichen Bezeichnung, ist ein Safeword doch eigentlich ein Mittel zun sofortigen Entzug des Konsens, kein Rettungsfallschirm. Ohne einen Empfänger, der es wahrnimmt und entsprechend handelt, schafft ein Safeword keinerlei zusätzliche Sicherheit.

In seiner strengsten Form ist das Safeword nur dazu da, um in einem absoluten Notfall (s. Eintr.: Notfälle) das Spiel abzubrechen - wenn der Bottom ganz dringend auf Toilette muss, weil der Fisch von gestern wohl doch nicht so frisch war, weil er gerade gemerkt hat, daß das Haus abbrennt oder die Schwiegermutter vor der Tür steht. Die Praktiken im Spiel selbst oder ihre Intensitäten werden davon nicht berührt. Dazu dient dann das besagte Slowword oder der Bottom gibt freiwillig die Möglichkeit zur Steuerung des Spiels ganz ab (im Rahmen eines Metakonsens-Spiels). In einer weiter gefassten Bedeutung ist eine Slowword-Funktion auch im Safeword enthalten, sprich, der Bottom benutzt das Safeword, wenn die Intensität ihm zuviel wird.

Bei den meisten Parties wird ein allgemeines Safeword ausgegeben, in den meisten Fällen entweder "Mayday" oder "Safeword" selbst. Ist das nicht der Fall, darf ein Teilnehmer einer Party nicht darauf vertrauen, daß die anderen schon wissen werden, wie es heißt oder dass einfach "klar" ist, wie das Safeword heißt.

Die Verwendung von Safewords wird von manchen Sadomasochisten abgelehnt. Dies gilt zum einen für Metakonsens-Spieler, bei denen der Bottom die komplette Verantwortung für den Verlauf des Spiels abgibt, zum anderen in Teilen der der Old Guard, in der das Ideal einer "echten", vollständigen Unterwerfung des Bottoms propagiert wird. Dieser Ansicht nach gehört das Safeword nicht zu den Rechten des Bottom.

Sich zusehr auf das Safeword zu verlassen kann die Sicherheit sogar beeinträchtigen: gerade bei emotional "tiefen" Spielen ist der Bottom womöglich geistig zu weit weg, um noch an seine Grenzen zu denken oder Gefahrensignale wahrzunehmen. Entgehen dem Top Hinweise, die darauf hindeuten, kann es zu einem Absturz des Bottoms kommen.

Ein ausführlicher Text zu Sicherheitscodes findet sich unter www.datenschlag.org/txt/safco.htm.

Literaturhinweise:

1 Townsend, Larry:
    The Leatherman's Handbook  [Details]
2 Spengler, Andreas:
    Sadomasochisten und ihre Subkulturen  [Details]
3 Wetzstein, Thomas A. / Steinmetz, Linda / Reis, Christa / Eckert, Roland:
    Sadomasochismus - Szenen und Rituale  [Details]
4 Bräutigam, Walter / Clement, Ulrich:
    Sexualmedizin im Grundriss: Eine Einführung in Klinik, Theorie und Therapie der sexuellen Konflikte und Störungen  [Details]

 

Synonyme: Codewort, Sicherheitswort, Stopwort

Auf diesen Eintrag verweisen: Absprache, Ampelwort, Codes, Kitzelmodell, Leatherman's Handbook, The, Mayday, Metakonsens, Okaycode, Schutzengel, Sicherheit, Slowword, squick, Subkultur, Vergewaltigung, Vorurteile

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