Papiertiger

Der Papiertiger: Schwarz

 
   
   
   
   
   
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Schwarze Leidenschaft
Schwarzer, Alice

Der Papiertiger ist eine Enzyklopädie des Sadomasochismus, zusammengestellt von Datenschlag. Hier versuchen wir, möglichst umfassend, Begriffe aus dem SM-Bereich zu erklären.



Zumindest in Europa und den USA die Identifikationsfarbe des Sadomasochismus, inzwischen soweit, daß der Begriff Schwarze Leidenschaft (siehe:1) entstand.
Der historische Ursprung des Farbkults liegt aller Wahrscheinlickeit nach in den USA und hat im Zuge einer sadomasochistischen Variante der globalen Amerikanisierung inzwischen nicht nur auf Europa, sondern mit Einschränkungen auch auf Japan übergegriffen.

Die Symbolfarbe Schwarz kann bis in die sadomasochistische Subkultur der amer. Schwulen zurückverfolgt werden2. Dort wurde schwarzes Leder als Outfit zusammen mit Jeansstoff fast zu einem Kult erhoben (vgl. auch Leder), wobei die düstere, bedrohliche Farbe auch vorher schon von Aussenseitergruppierungen zur bewussten Demonstration ihrer Stellung gewählt worden war (vgl. Brando, Marlon als Rebelle in einer schwarzen Lederjacke in The Wild One von 1953).

Aus der Assoziation mit der eigenständigen Subkultur der Biker soll nach2 die Kleidung als Zeichen der schwulen SM-Subkultur übernommen worden sein, in der verschiedene Uniformen-Elemente dazukamen. Schwarzes Leder fand dort so weite Verbreitung, daß das Wort Leather zum Syn. für die Subkultur selbst geworden ist. Diese Symbolik wurde später von lesbischen und heterosexuellen Sadomasochisten übernommen (für eine allgemeine Besprechung der Rolle der Homosexualität bei der Entwicklung des Sadomasochismus siehe dort).

Eine gewisse Verselbständigung und Abkoppelung der Farbe vom Material bei heterosexuellen im Gegensatz zu den schwulen Sadomasochisten könnte mehrere Gründe haben. Elemente des Fetischismus wie schwarze Lack-Schuhe oder Pumps aus dem Bereich des Schuhfetischismus, das aus dem Fetischismus im allgemeinen stammende Latex und Gummi oder die schwarze Kleidung der Zofe im Sinne einer French Maid würde die Farbe unabhängig vom Material erhalten. Denkbar ist auch eine Koppelung der verbotenen, gefährlichen Sexpraktik mit der verbotenen, gefährlichen Farbe, wie es sie auch bei schwarzer Spitze oder Seide gibt.

Trotzdem stammt der größte Einfluss wohl aus der schwulen Lederszene. Bei den Illustrationen zu der 1789 erschienen, holländischen Ausgabe zu Juliette findet sich gar keine Kleidung, wie auch nicht in der 1797 Ausgabe von Justine3. Bei Franz von Bayros sind wallende Gewänder und Spitze das bevorzugte Material, in den 30ern sind die weiblichen Tops von Montorgueil, Bernard in Serien wie Dressage fast nur als bunt zu bezeichnen, lediglich die Zofe trägt immer ihre schwarze Uniform. Ähnlich bei den enorm einflussreichen Werken von Willie, John um 1940, in der zwar in den Schwarzweiss-Zeichnungen jede Menge schwarzer Kleidungsstücke zu sehen sind, die aber auf den Farbbildern und Aquarellen nicht mehr zu finden sind. Vom Faltenwurf her sehen viele der gezeichneten, schwarzen Kleidungsstücke auch nicht nach Leder aus. Die weiblichen Tops tragen teilweise Ballkleider oder helle Kleidung (z.B. The Missing Princess) und Stiefel sind fast nur im Zusammenhang mit Reitkleidung zu sehen und gehen dann nicht bis zu den Oberschenkeln als Thigh Highs, sondern bis unter die Knie und sind vorne verschnürt (The Missing Princes, The Race for the Gold Cup, Aquarell einer Züchtigung im Wald). Bei Page, Betty gibt es so gut wie keine schwarzen Kleidungsstücke, sondern in den Bondagebildern alles von Seidenstrümpfen bis Tigerfellbikinis (LV FEHLT "Betty Page - Queen of Pinup, Taschen Verlag). Ähnlich wie sein Vorbild Willie verfährt auch Stanton, Eric; sein Zeitgenosse Eneg scheint der erste zu sein, der in den 50ern und 60ern beginnt, Frauen und vor allem weibliche Tops in schwarzem Leder zu zeichnen; einige seiner Bilder entsprechen völlig dem heutigen Stereotyp einer Domina. Bis zu diesem Zeitpunkt sind es nur die French Maids in ihrer durchgängig gleichen Uniformen, die in schwarz auftreten; siehe auch Zofe.

Der Homosexuelle Künstler Tom of Finland kommt dagegen in den 70ern ohne schwarzes Leder nicht aus (z.B.3), in einer Zeit, wo Crepax, Guido die Geschichte der O zwar mit Korsetts zeichnet, aber noch ohne viel Schwarz (Ausnahmen sind hier wieder die Zofen), was auch dem 1954 erschienen Buch entspricht. Dagegen verfilmt Jäckin, Just Gwendoline 1985 ganz in schwarzem Leder, Ungerer, Tomi kann in Schutzengel der Hölle von 1986 anscheinend keine andere Farbe finden und der SM-Kultfilm Mano Destra von Uebelmann, Cleo ist im selben Jahr nicht nur als Schwarzweiß-Film, sondern auch mit schwarz-weißer Kleidung entstanden. In den 90ern sind Musikvideos wie Erotica von Madonna mit SM-Anspielungen zwar in schwarzer Kleidung gehalten, aber nicht mehr zwingend in Leder. Spätestens ab hier hat sich Schwarz in der lesbischen und heterosexuellen Subkultur völlig durchgesetzt; eine Durchsicht von Zeitschriften wie den Schlagzeilen zeigt Bilder von Leuten, die bis zur Unterwäsche keine andere Farbe zu kennen scheinen.

In Japan (Quellen siehe dort) ist Schwarz im SM-Zusammenhang erst vor 5 bis 10 Jahren aufgekommen und wird von den Japanern selbst auf amerikanischen Einfluss zurückgeführt. Interessanterweise scheint kuro als Farbe eher bei Spielen mit weiblichen Tops und männlichen Bottoms aufzutauchen als bei umgekehrter Rollenverteilung, was sich in einigen Animes wie Angel of Darkness wiederspiegelt. Hier werden weibliche Tops in der ikonenhaften, schwarzen Leder-kleidung der stereotypischen Domina gezeigt. Der "traditionelle" japanische Sadomasochismus, besonders bei männlichen Tops und weiblichen Bottoms arbeitet(e) eher mit rot als Farbe, besonders für Spielzeuge wie Kerzen.

Literaturhinweise:

1 Wetzstein, Thomas A. / Steinmetz, Linda / Reis, Christa / Eckert, Roland:
    Sadomasochismus - Szenen und Rituale  [Details]
2 Thompson, Mark (ed.):
    Leatherfolk: Radical Sex, People, Politics, and Practice.  [Details]
3 Neret, Gilles:
    Erotica Universalis  [Details]

 

Auf diesen Eintrag verweisen: Asian Bondage, Japan, Leder, Ledermann, SM-Welle, Subkultur, USA, Vampire

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Stand: 03.05.2001.

 

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