Papiertiger

Der Papiertiger: Umgangsformen

 
   
   
   
   
   
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Uebelmann, Cleo
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Ungerer, Tomi

Der Papiertiger ist eine Enzyklopädie des Sadomasochismus, zusammengestellt von Datenschlag. Hier versuchen wir, möglichst umfassend, Begriffe aus dem SM-Bereich zu erklären.


Die Umgangsformen in den westlichen Staaten haben sich in den letzten 50 Jahren sehr stark verändert. Teilweise sind sie einfacher in der Form geworden, häufig aber differenzierter in der Sache. Einige, früher als höflich betrachtete, Verhaltensweisen gelten heute als extrem unhöflich, so war es z.B. üblich, daß im Restaurant der Herr der Dame aus der Speisenkarte eine Auswahl von Gerichten vorlas, aus denen sie dann wählte.

Im Bereich von sexuellen Minderheiten sind die Verhaltensweisen und Höflichkeitsregeln noch einmal differenzierter. Sadomasochisten sind üblicherweise mehr als die Gesamtbevölkerung mit ungewöhnlichen und sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen und Selbstbildern konfrontiert, die auch Auswirkungen auf den Umgang miteinander haben. Dabei sollte immer beachtet werden, daß das eigene Verhalten soweit wie möglich auf die Eigenidentität des Gegenübers abgestimmt wird, um ihm Peinlichkeiten zu ersparen. Ein Schwuler, der einen sichtbar heterosexuellen Mann angräbt handelt also ebenso unhöflich wie eine Top, die einen sichtbar dominanten Mann versucht in die Bottom-Rolle zu drängen.

Gleichzeitig sollte gerade unter Sadomasochisten der Unterschied zwischen Spiel-Rolle und der Rolle als normaler Bürger unterschieden werden. Kein Top sollte annehmen, daß jeder Bottom vor ihm zu knieen hat, nur weil sich der Top als Top definiert. Erst wenn zwischen den beiden zumindest eine Spiel-Partnerschaft besteht hat er das Recht, dem Bottom Vorschriften zu machen.

Auch die in bestimmten Situationen wie Parties aufgehobene Trennung zwischen Intimität und Öffentlichkeit erfordert Regeln, die sich für Vanilla (s. Eintr.: Vanille)s nicht stellen. So gilt es als unhöflich, sich in eine fremdes Spiel einzumischen (das wird üblicherweise einen Rauswurf aus der Party zur Folge haben) oder danebenzustehen und Kuchenrezepte auszutauschen. Andererseits kann von den Spielenden üblicherweise verlangt werden, nicht gerade im Büffetbereich eine Blutsession zu spielen.

Weitere Schwierigkeiten können durch die unterschiedlichen Auffassungen, was BDSM ausmacht, entstehen. Es gibt Kreise, in denen zum Beispiel den Bottoms unabhängig von der Beziehung gegenüber Tops ein besonders höfliches, zurückhaltendes Verhalten auferlegt ist. Durch die Anwesenheit signalisiert man Anerkennen dieser Regel. Dies kann für Bottoms, die sich in solchen Auffassungen nicht erkennen, zu Konflikten führen. Im Sinne der Höflichkeit ist es ratsam, sich von solchen Kreisen dann fernzuhalten, damit man nicht zum störenden Element wird. Natürlich kann man von Freunden und Bekannten verlangen, daß sie auf eine solche Abneigung Rücksicht nehmen und nicht darauf bestehen, an solchen Veranstaltungen in Begleitung desjenigen, der Probleme mit solchen Regeln hat, teilzunehmen.
Speziell in DS-Kreisen kommt es vor, daß ein Bottom von seinem Top ein Verbot auferlegt hat, sich mit anderen zu unterhalten. Das kann dann Freunde, die davon nichts wissen, brüskieren. Es ist ratsam, daß in einem solchen Fall der Top höflich auf das Schweigegebot hinweist bzw. die Möglichkeit einer solchen Situation vorher den Freunden mitgeteilt wird.

 

Auf diesen Eintrag verweisen: Einleitung, Subkultur

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Stand: 01.04.2001.

 

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